Einen Blick etwas weiter zurück

17. Juli 2014

podest 2.Für die eben erschienen Clubnews des SkiClub Klosters schrieb ich vor längerem einen Saisonrückblick, welchen ich auch euch- obwohl in keiner Weise aktuell- nicht vorenthalten möchte:  Viel Spass beim Schwelgen in Vergangenem…

Schöne Eindrücke, unvergleichliche Emotionen, bleibende Erlebnisse sowie etliche Reisen an spannende Orte prägten meine vergangene Saison. Klingt intensiv und war es auch. Plötzlich durfte ich nämlich die in der Planung mit ‚frei‘ markierten Wochenende mit Weltcup-, Olympia-Selektions-Rennen und schliesslich den Olympischen Spielen selbst füllen. Am Fokus Langdistanz-Weltcup und dem Ziel den Ski Classics Overall Titel zu gewinnen, hielt ich fest.

lillehammerDas Sommertraining verlief gut, die Stimmung in den Trainingslagern mit dem Team Coop war inspirierend und daheim hatte ich gute Trainingsgspändli im NLZ. Einige Wehwehchen verlangten Anpassungen, doch damit lernte ich umgehen. Bereits bei den ersten Test Wettkämpfen im schwedischen Bruksvallarna, war ich nahe an den Spitzenathletinnen. Daher entschied ich mich zu einer Teilnahme am Weltcup Davos, wo ich in die Punkteränge lief und somit die Hälfte der Olympia-Norm erfüllte. Und da eröffneten sich, noch bevor meine ‚eigentliche Saison‘ begonnen hatte, plötzlich ganz neue Perspektiven.

Unverhofft kommt oft
la diagonela 1tacktDes Schneemangels in Tschechien wegen, fand das Ski Classics Eröffnungsrennen unverhofft im Engadin statt. Damit ging ein lange gehegter Wunsch in Erfüllung und ich durfte bei der ‚La Diagonela‘ meinen ersten Sieg auf heimischem Boden feiern. Die Langdistanzserie ging mit der Marcialonga über 70 und dem König Ludwig Lauf über 50 Kilometer weiter, wo ich wiederum gewinnen, beziehungsweise mich über Rang zwei freuen durfte. Dies war umso schöner, als dass ich mental und emotional in dieser Phase ziemlich gefordert wurde. Nach meinem 11. Rang beim Weltcup in Polen, erfüllte ich die Olympianorm, wurde jedoch wegen fehlender Quotenplätze und meiner Nicht-Team-Zugeholympiaörigkeit, erst nicht selektioniert, bevor ich zwei Tage später dann doch einen Platz im Schweizer Olympia Team für Sotschi 2014 erhielt.
Voller Fokus auf Olympia und den 30 Kilometer Lauf, lautete das Credo für die verbleibenden knapp drei Wochen. Und als Dario bereits zweimal Gold gewonnen hatte, packte ich endlich meine Taschen und reiste in Richtung Russland. Dort angekommen und noch immer überwältigt und ehrlichgesagt auch etwas erstaunt über die tadellos funktionierende Organisation, die ausgeklügelte Logistik und die traumhaften Strecken, kam ich wiederum unverhofft zu meinem ersten Einsatz. Ich sollte die erkrankte Laurien van der Graaff im Teamsprint ersetzten. Ohne Erwartungen und mit einem etwas mulmigen Gefühl kam ich so zu meiner Teamsprint Premiere, lief im Vorlauf drei Mal so schnell ich konnte und freute mich riesig, als dies zusammen mit Bettina Gruber zur Finalqualifikation reichte. Dort konnten wir uns nochmals steigern und schafften einen feinen 7. 2014-02-19 16.36.34Schlussrang, was dem Gewinn eines Olympischen Diploms gleich kam.
Lange Zeit zum Sinnieren blieb nicht, denn mein eigentliches Hauptziel, der 30er stand nur zwei Tage später an. Als One-Woman-Team erübrigten sich taktische Überlegungen- ich wollte versuchen, mich im Massenstartrennen möglichst weit vorne zu positionieren, in der ersten Runde Kräfte sparen und dann hoffentlich auf meine Distanzqualitäten zurückgreifen. Dass ich problemlos in der Verfolger-Gruppe der drei führenden Norwegerinnen mitlaufen und diese auch zeitweise auf Rang 4 laufend anführen konnte, überraschte ich mich selbst. Am Ende waren nur 8 Läuferinnen schneller.

Zurück im ‚Alltag‘ folgten meine eigentlichen Saisonhighlights Vasa-Lauf und Engadiner. Doch skiclassics gesamt wegirgendwie fehlten mir da sowohl meine Kräfte, als auch das Quäntchen Glück- ich hoffte, um den Sieg mitzureden, fand mich stattdessen auf dem 5. Beziehungsweise 6. Rang wieder. Doch mit einem guten Rennen im Abschliessenden Arefjällsloppet, sicherte ich mir dennoch den Gewinn des Langdistanz-Weltcups und beendete eine schier unglaubliche Saison mit dem Gewinn des Schweizer Meistertitels über die Langdistanz.
Abschliessend möchte ich mich bei allen bedanken, für die Hilfe, die Unterstützung, die Gratulationen, das Mitfiebern und Ermuntern. Ein riesen grosses Dankeschön an Sponsoren, Teammitglieder, Trainingspartner und Betreuer. Und zu hören, dass meine Geschichte Mut macht und auch Athleten in weniger rosigen Zeiten des Sportlerdaseins antreibt, freut mich umso mehr. Bleibt dran und lebt eure Träume, denn unverhofft kommt oft.